Die Zahl der registrierten Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen ist in Deutschland erneut gestiegen. Das geht aus dem aktuellen Lagebericht des Bundeskriminalamts (BKA) hervor. Insgesamt wurden mehr als 18.000 Fälle erfasst. Besonders auffällig: Immer mehr Straftaten finden im Internet statt. Die Behörden gehen zudem davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Taten deutlich höher liegt. Bei Kindern unter 14 Jahren registrierte die Polizei 17.126 Fälle – ein Anstieg von 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr als ein Viertel der Delikte sind sogenannte „Hands-Off“-Straftaten, die ohne direkten Körperkontakt online begangen werden. Dazu zählt unter anderem Cybergrooming, bei dem Täter Kinder über soziale Netzwerke, Chats oder Messenger kontaktieren, um sexuelle Handlungen anzubahnen. Den stärksten Anstieg verzeichnete das BKA bei Straftaten im Zusammenhang mit jugendpornografischen Inhalten. Die Zahl der Fälle stieg innerhalb eines Jahres um 19,9 Prozent. Laut BKA könnte dies teilweise auch auf eine höhere Sensibilisierung und ein verändertes Anzeigeverhalten zurückzuführen sein. Zudem erkunden Jugendliche ihre Sexualität zunehmend online, wodurch entsprechende Inhalte häufiger erstellt oder verschickt werden. Mehr als die Hälfte der Tatverdächtigen in diesem Bereich ist selbst minderjährig. Der Kinderschutzbund fordert angesichts der Entwicklung verbindliche Schutzkonzepte für Schulen, Kitas und Vereine sowie mehr Präventionsarbeit. Gleichzeitig warnen die Verantwortlichen vor Einsparungen in Jugendämtern und der Jugendhilfe, da diese den Schutz von Kindern und Jugendlichen gefährden könnten.
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