Im Gespräch mit dem Bezirksvorsteher der Donaustadt wird deutlich, wie stark sich der 22. Bezirk in den vergangenen Jahren entwickelt hat und welche Schwerpunkte 2026 gesetzt werden. Die Donaustadt bleibt der am schnellsten wachsende Bezirk Wiens, und 2025 wurden zahlreiche Projekte umgesetzt, die sowohl die Lebensqualität als auch die Infrastruktur verbessern. Dazu zählen die Fertigstellung der Wagramer Straße als moderner Boulevard mit viel Grünraum, Nebelduschen und verbessertem Erscheinungsbild, der Start des Parks der Artenvielfalt, die Eröffnung des Ernst‑Zimper‑Parks sowie die begonnene Umgestaltung des Süßenbrunner Platzes. Trotz des starken Zuzugs gelingt es dem Bezirk, laufend neue Bauprojekte zu realisieren und die Herausforderungen des Wachstums zu bewältigen. Für das Jahr 2026 steht die Donaustadt vor einem Einsparbedarf von 2,5 Millionen Euro. Da der Bezirk schuldenfrei ist, kann ein Teil aus Rücklagen gedeckt werden, während der Rest durch Einsparungen im Straßenbau erfolgt. Wichtig ist dem Bezirksvorsteher, dass in zentralen Bereichen wie Umwelt, Schulen, Kindergärten, Parks, Jugend und Kultur nicht gekürzt wird. Einige Projekte wie Entwässerungsmaßnahmen in Essling und Stadlau oder der Kreuzungsumbau Rottergasse–Stadlauer Straße werden auf 2027 verschoben, die Verkehrssicherheit bleibt aber gewährleistet. Ein zentrales Thema ist die Verkehrsentlastung durch die S1 und die Stadtstraße. Rund ein Viertel der Fahrzeuge, die Wien passieren, fahren lediglich durch – viele davon durch die Donaustadt. Mit der S1 und der Spange zur Stadtstraße entsteht eine leistungsfähige Alternative, die künftig tausende Fahrzeuge aus Essling, Aspern und Stadlau heraushalten soll. Gleichzeitig verbessert die neue Verkehrsanbindung die Standortattraktivität für Betriebe, besonders in der Seestadt, die mit der fertigen Umfahrung in nur rund 13 Minuten den Flughafen erreichen könnte. Die Seestadt selbst bleibt ein Erfolgsprojekt: hohe Zufriedenheit, geringe Wegzugsrate, viele Grünflächen, tausende Bäume, ein eigener See und mehrere Parks prägen das Bild. Kritik an „zu viel Beton“ relativiert der Bezirksvorsteher mit dem Hinweis, dass die Menschen bewusst in dieses moderne, urbane Umfeld ziehen und die Behaltezeiten der Wohnungen überdurchschnittlich hoch sind. Der Weiterbau der Seestadt war UVP‑rechtlich an die Stadtstraße gekoppelt, da ohne zusätzliche Abfahrtsrampe kein weiterer Wohnbau genehmigt worden wäre. Wien braucht dringend neuen Wohnraum, um steigende Mieten zu verhindern und dem starken Bevölkerungswachstum gerecht zu werden. Für 2026 formuliert der Bezirksvorsteher einen klaren Schwerpunkt: Vorrang haben die Menschen, die bereits in der Donaustadt leben. Die großen Stadtentwicklungsgebiete bringen Herausforderungen für die Anrainer, gleichzeitig aber langfristige Verbesserungen bei Infrastruktur, Freizeitangeboten und Versorgung. Ziel ist es, das Wachstum so zu steuern, dass die Lebensqualität der bestehenden Bevölkerung gesichert bleibt und neue Bewohnerinnen und Bewohner ein gut funktionierendes Umfeld vorfinden. Ein persönlicher Einblick rundet das Gespräch ab: Der einzige Neujahrsvorsatz, den der Bezirksvorsteher je erfolgreich umgesetzt hat, war das Rauchstopp‑Vorhaben im Jahr 2000. Klassische Vorsätze wie mehr Bewegung oder Gewichtsreduktion seien ihm bisher nicht gelungen – und vermutlich werde sich das auch heuer nicht ändern, wie er mit einem Augenzwinkern erzählt. Ein offenes, informatives Gespräch über Stadtentwicklung, Lebensqualität und die Zukunft der Donaustadt.
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