Vereinigtes Königreich – 30. Oktober 2026. Wild lebende Seevögel können einer neuen Studie zufolge eine Art „Jetlag“ erleiden, wenn sie sich schnell über Längengrade hinwegbewegen. Dadurch können sie bei der Orientierung an der Sonne vom Kurs abkommen. Ein Forschungsteam unter Leitung von Patrick Lewin analysierte GPS-Ortungsdaten von 1.045 wild lebenden Atlantiksturmtauchern (Puffinus puffinus). Die Vögel legen regelmäßig mehr als 1.000 Kilometer zwischen ihren Nahrungsgebieten im Nordostatlantik und ihren Brutkolonien im Vereinigten Königreich zurück. Um die Sonne als Kompass zu nutzen, müssen Tiere deren Bewegung über den Himmel mithilfe einer inneren biologischen Uhr ausgleichen. Diese wird hauptsächlich durch den täglichen Wechsel von Hell und Dunkel gestellt. Schnelle Ortswechsel nach Osten oder Westen können diese Uhr aus dem Takt mit der örtlichen Sonnenzeit bringen. Bei Reisen nach Osten ist eine Abweichung der Flugrichtung im Uhrzeigersinn zu erwarten, bei Reisen nach Westen eine Abweichung gegen den Uhrzeigersinn. Das Team stellte fest, dass die Navigation der Sturmtaucher auf vorhersehbare Weise beeinträchtigt wurde, wenn schnelle Ortswechsel nach Osten oder Westen die Übereinstimmung zwischen ihrer inneren Uhr und der örtlichen Sonnenzeit störten. Die Abweichungen entsprachen weitgehend jenen, die bei einem fehlerhaft arbeitenden Sonnenkompass zu erwarten wären. Sie ließen sich damit besser erklären als durch Veränderungen des Erdmagnetfelds. Orientierung an der Sonne und Gleitflug über den Wellen Dies deutet darauf hin, dass sich die Vögel bei der Navigation stark auf die Sonne verlassen, wenn kein Land in Sicht ist. Überraschenderweise nutzten sie den Sonnenkompass auch dann weiter, wenn sie sich an anderen Hinweisen hätten orientieren können, etwa indem sie dem Verlauf von Küstenlinien folgten. Zusammen mit der Studie veröffentlichtes Filmmaterial, aufgenommen mit einer kleinen Kamera auf dem Rücken eines Vogels, zeigt einen Atlantiksturmtaucher beim Flug über dem Meer. Die Vögel fliegen Tausende Kilometer weit, um Nahrung zu finden. Dabei nutzen sie die Winde unmittelbar über der Wasseroberfläche, um effizient über die Wellen zu gleiten.
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